Rhens im Krieg

 

Der Luftkrieg:

Auf den gegenüberliegenden Güterbahnhof Oberlahnstein, erfolgten am 11.11.1944, am 02.12.1944 und am 18.12.1944 Angriffe von Bomberverbänden der 8. USAAF. Wegen der damaligen nicht ausgereiften Zieltechnik, kam es zur Beschädigung von Wohnhäusern in Rhens und der Umgebung.  In Rhens, Brey und Spay starben 23 Menschen.

Boeing B 17 "Fliegende Festung". Bomber dieses Typs wurden bei den Angriffen auf Lahnstein eingesetzt.                                                        (Foto: Nationalarchiv College Park)

Der Güterbahnhof Oberlahnstein am 03.12.1944                                                                                                                                                  (Quelle: Luftbilddatenbank Dr. Carls)

Bericht der Kripo Koblenz über einen Bombenangriff                         (Quelle: Nationalarchiv College Park)

 


 Tiefflieger/Jabos

                                                                                                            (Quelle: Nationalarchiv College Park)

Kaum ein Gerücht hält sich so hartnäckig, wie die Erzählungen über amerikanische Tiefflieger. Dabei bekommen diese Flugzeuge oder deren Piloten nahezu phantastische Eigenschaften zugeschrieben. Sie stürzten im Winkel von fast 90 Grad zu Boden, um einzelne Landwirte auf dem Feld zu erschießen und genau die gleichen schossen auch auf die Beerdigungsgesellschaft, sie beschossen Kinderwagen, nicht die Mütter, Fahrradfahrer fielen ihnen fast täglich zum Opfer, Personenzüge und Fahrzeuge wurden nur angegriffen, wenn sich Zivilisten im Innern befanden, sie konnten in offene Schlafzimmerfenster schießen, selbst bei Bombenangriffen, sogar in Dresden tauchten sie auf und auch Kinderspielplätze  wurden beschossen. Mit den Bordwaffen feuerten die Piloten, deren Gesichtszüge genau erkannt werden konnten,  "hinten heraus", "vorne heraus" und "steil nach unten". Oft wird von farbigen Piloten berichtet.

Die Propaganda leistete hier ganze Arbeit und oft hat es den Anschein, als würde sie heute noch wirken.

Um diese Dinge aufzuklären, müssen wir uns zunächst mit den oft eingesetzten Flugzeugen befassen; dies waren die North American P 51 "Mustang", die Republic P 47 "Thunderbold "und die gabelschwänzige zweimotorige Lockheed P 38 "Lightning". Diese Flugzeuge wogen ca. 3,5 Tonnen (P 51), 4,8 Tonnen (P 47) und fast 6 Tonnen (P 38). Alle Bordwaffen waren starr nach vorne gerichtet.  Mit dem K-14 Reflexvisier lag der Konvergenzpunkt bei 300 bis 400 Meter, vom Hersteller empfohlen: 1000 - 1200 feet (305 -350 Meter).  Damit ist erklärt, dass nur "vorne heraus" geschossen werden konnte. Die Waffen im Kaliber .50 befanden sich in den Tragflächen und konnten nur auf einmal abgefeuert werden. Einzig die P 38 verfügte noch über eine zusätzliche 20 mm Kanone, die sich neben den anderen Waffen im Rumpf befand. Der Munitionsvorrat einer P 51 reichte für Dauerfeuer von knapp 40 Sekunden.

Auftrag: Die Jäger der 8. USAAF sollten in erster Linie ihre Bomber schützen, Tiefangriffe wurden aber grundsätzlich nicht untersagt und ab April 1944 sogar gezielt durchgeführt.

Der 9.USAAF oblag die taktische Luftunterstützung; Angriffe auf: Nachschubkolonnen, Züge, Schiffe, Flugplätze und Ortschaften, wenn sich dort feindliche Truppen ansammelten, z.B. in Frontnähe. Den Piloten war es ausdrücklich verboten, absichtlich Zivilisten zu töten! Bei der großen Anzahl von US-Piloten gab es bestimmt auch welche, die das Verbot missachteten; daher kann der absichtliche Angriff auf Zivilpersonen nicht zu 100% ausgeschlossen werden. Im hiesigen Umfeld gab es jedoch keinen bekannten Fall. Auch der zu Rate gezogene Trierer Militärexperte und Luftkriegshistoriker, Hans-Jürgen Hauprich, konnte keinen Fall der absichtlichen Tötung von Zivilpersonen im Großraum Trier in Erfahrung bringen. 

Zivile Opfer gab es z.B. in Zügen, da man von oben nicht erkennen konnte, wer damit befördert wurde oder beim Beschuss von Ortschaften in Frontnähe. Bei Nachforschungen stellt man schnell fest, dass bei nahezu allen Tiefangriffen immer ein militärischer Hintergrund vorhanden war, oder es handelte sich um eine Verwechslung.

Zur Taktik und den Möglichkeiten eines Flugzeuges der damaligen Zeit: Zunächst ist festzustellen, dass man nicht einfach in einen Jäger steigen konnte, um Landwirte anzugreifen. Alles unterlag strengen Anordnungen. Die Verbände stiegen in Formation auf und mussten sich an taktische Vorgaben halten. Einzelne Tiefflieger gab es nicht, es sei denn, eine Maschine wurde vom Verband getrennt oder der Pilot handelte eigenmächtig. Die vorgeschriebene Formation durfte bis zur Zielregion nicht verlassen werden. Dort folgten die Maschinen dem Verlauf von Straßen, Schienen oder Wasserwegen. Die Flughöhe war Auftrags und /oder Geländebedingt unterschiedlich, ca. 250 bis 400 Meter. Den oft beschriebenen Sturzflug einzuleiten, konnte gefährlich werden, da ein 4 bis 6 Tonnen schweres Flugzeug rasch Geschwindigkeiten von über 800km/h aufbaut und daher der Erdboden rasant näher kommt. Bei 350 Metern zu zielen und zu feuern, die Maschine abzufangen und in den Steigflug zu bringen, war eher weniger möglich. Aber selbst wenn es jemand fertig gebracht hätte, so fing das Flugzeug (besonders die    P 47) an zu vibrieren, dass man glaubte, es würde sich zerlegen. Das Zielen um einen Zivilisten zu treffen war daher völlig unmöglich. Auch beim vorgeschriebenen Sinkflug  mit reduzierter Leistung pendelte die Maschine, das Ziel "tanzte" förmlich im Visier.

Wurde eine verdächtige Kolonne entdeckt, gab der Einsatzleiter den Befehl zum Angriff und die Maschinen flogen im Winkel von 45 Grad oder weniger an. Kolonnen wurden von hinten beginnend beschossen, gelegentlich auch seitlich über Felder oder von vorne. Diese Angriffe mussten geschützt werden, damit nicht ein deutscher Jäger zum Schuss kommen konnte. Es gab noch weitere Gefahren, wie getarnte Flak, Bäume oder Hochspannungsmasten-/drähte. Leitete man nach erfolgtem Angriff wieder den Steigflug ein, so dauerte dies, da die Maschine weiter nach unten sackte.

Farbige Piloten, die für Tiefangriffe in Frage kamen, gab es nur bei der in Italien liegenden 332nd Fighter Group. Nur selten konnte man sie in Deutschland beobachten. Die Piloten galten als hochmotiviert und waren für ihre saubere Kriegsführung bekannt. Hauptaufgabe war der Schutz der Bomber.

Link zum Thema:

http://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article137279560/Es-gab-wirklich-keine-Tiefflieger-ueber-Dresden.html

 

 

Waffenwarte bestücken die P 47 D des amerikanischen Fliegerhelden Francis "Gabby" Gabreski (56. Fighter Group) mit Munition für die acht Maschinengewehre im Kaliber .50 (12,7 mm). Gabby geriet bei Niedermendig in Flakfeuer und machte eine Bruchlandung. Nach der Gefangenschaft (1945) kehrte er in seine Heimat Oil City (Pennsylvania) zurück. In der Ausbildung noch als "gemeingefährlich" eingestuft, gab es wahrscheinlich  im gesamten Krieg keinen besseren Piloten.                                                                        (Foto: Nationalarchiv College Park)


 Volltreffer!                                                                                                                                                                                               (Nationalarchiv   College Park)                                                                                                                           

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